3 Kommentare zu „Relapp Workshop 1 – Thema Profession

  1. Sascha Neumann unterscheidet zwischen relationalen Substanzontologien, in denen Relationalität als Eigenschaft bestimmt wird, und einem reflexiven Relationalismus, der durch eine reflexive Beobachterposition gekennzeichnet ist. Letzteres entspricht ungefähr auch dem, was Dépelteau (2013) als „deep relationalism“ bezeichnet (vgl. Leseliste). Bei einem reflexiven Relationalismus gehe es immer auch um den Einschluss der Beziehung des bzw. der Forschenden zum Gegenstand. Dieser Gegenstand der Forschung wird mithin erst hervorgebracht (Bsp.: Latours „zirkulierende Referenz“ und Bourdieus „teilnehmende Objektivierung“). Neumann stellt hiervon ausgehend infrage, wie sinnvoll es ist, von „angewandten“ Sozialwissenschaften zu sprechen. Dies würde implizieren, dass angewandte Wissenschaften in stärkerem Maße mit ihrem Gegenstand verknüpft seien als Grundlagenwissenschaften. Eine reflexiv-relationalistische Wissenschaftsauffassung würde demgegenüber jedoch behaupten, dass die Beziehung zwischen wissenschaftlicher Beobachtung und Gegenstand für jede Wissenschaft konstitutiv ist und sich insofern nicht als Abgrenzungskriterium zwischen angewandten Wissenschaften und Grundlagenwissenschaften eignet. Hieraus folgert Neumann, dass die Ansprüche des Relationalismus reflexiv auf die angewandten Sozialwissenschaften anzuwenden wären.
    Würde man diesem Ratschlag folgen, wäre jedoch erstens zu fragen, ob nicht eben genau in der empirischen Rekonstruktion der spezifischen Relationierung zwischen Forschung und Praxis spezifische Muster erkennbar werden, durch die sich angewandte Wissenschaften von anderen Wissenschaften unterscheiden. Zweitens wäre zu fragen, ob aus einer Perspektive, die eine Relationierung von Wissenschaft und Gegenstand für in jedem Fall konstitutiv hält, eine Differenzierung zwischen substanzontologischen und reflexivem Relationalismus noch sinnvoll ist, sondern es immer vielmehr immer schon um die Beschreibung der spezifischen Form der Relationierung gehen müsse. Und drittens ergibt sich die Frage, ob die von Neumann für die gegenwärtige Sozialpädagogik beschriebene Hinwendung zu reflexiv-relationalen und praxeologischen Methodologien tatsächlich eine relationale Forschungspraxis begründet, die ihrer eigenen Verflechtung bewusst ist.

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  2. Schützeichel startet mit der Feststellung, dass relationale Ansätze sich auf die Einheit der Differenz zwischen Relation und Relata beziehen. Er moniert dabei an relationalen Ansätzen, dass diese zu wenig spezifizieren, was eine Relation ist. Er schlägt die Unterscheidung von intrinsich/ extrinsisch und dispositionalen Eigenschaften als Systematisierung vorstellt. Ich finde die Systematik lädt zur Kategorisierung ein, sie startet nur mit der Annahme, dass es sowas wie einen Eigenschaftsträger und Eigenschaften gibt. Zitat: „Eine extrinsische Eigenschaft ist eine Eigenschaft, die ein Eigenschaftsträger in Relation zu anderen hat“ (Peter als Vater geht nur, wenn er eine Sohn/ Tochter hat). Oder: Der Eigenschaftsbegriff – für intrinsische Eigenschaften – bedeutet, dass Peter 1,80 m groß: Es stellt sich die Frage, wie es diese intrinsische Eigenschaft „ gibt“, wenn sie, wie im Beispiel der Körpergröße von einer bestimmten Skalierung abhängt – die historisch etc geformt ist und auch anders sein könnte. Bspw. in der Temperaturmessung haben wir auch unterschiedliche Skalen – und damit jeweils eine andere „Eigenschaft“, eine andere Aussage darüber, wie eine Ausprägung „ist“. Die Frage ist nur, woher die intrinsische Eigenschaft „herkommt“ – was Schützeichel nicht als Frage aufwirft, sondern in seiner Systematik als gegeben annimmt.

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  3. Beim Eigenschaften-Begriff, wie er von Schützeichel verwendet wird, ist unklar, ob er sich auf Relationen oder Relata bezieht. Allerdings entsteht in beiden Fällen der Eindruck, dass diese Relationen/Relata unveränderliche Charakteristika haben. Stattdessen sollte betont werden, dass Relationen vor allem (sich wiederholende) Prozesse sind, die sich zuweilen institutionalisieren, die aber auch transformiert werden können. Alternativ wäre es daher denkbar, von Modi des Relationierens zu sprechen und den Versuch zu unternehmen, die von Schützeichel vorgeschlagenen Kategorisierungen von Eigenschaften auf Modi zu übertragen. Die instrinsische Eigenschaft der Körpergröße von Peter beruht demnach zunächst auf einem Modus des Relationierens durch Messen. Das Messen würde also zu einer bestimmten Kategorie von Modi des Relationierens gehören. Dabei werden Gegenstände mit Hilfe eines technisch kalibrierten Messgerätes (Meterstab, Infrarotmesser) in einen Bezug zu einer gesellschaftlich anerkannten Maßeinheit gebracht. In einem weiteren Schritt wird dieser Messvorgang bzw. das Ergebnis des Messvorgangs dann als Eigenschaft eines Relatas dann zugeschrieben. Diese Zuschreibung (ein weiterer Modus des Relationierens) kann durch die Person („Ich bin 1,92m groß“) selbst vorgenommen werden als auch durch eine weitere Person („Du bist 1,92m groß“) oder auch gegenüber Dritten („Er ist 1,92m groß“). Die Behauptung einer intrinsischen Eigenschaft („Peter ist 1,92m groß“) basiert daher auf der Verkettung zweier unterschiedlicher modaler Relationierungen: Messen und Zuschreiben. An diese Mess-Zuschreibungs-Relationierung können sich weitere RElationierungen anschließen, z.B. können dann je nach situationalem Kontext durchaus unterschiedliche pragmatische Relationierungen mit sich bringen: Bei der Musterung werden bestimmte Personen auf Grund ihrer Körpergröße ausgemustert; beim Arzt wird sog. Kleinwüchsigkeit auf Grund dieses Modus der Relationierung sog. Kleinwüchsigkeit diagnostiziert etc. Ausmusterung oder Diagnose sind weitere Modi der Relationierung, die jeweils zu unterscheiden werden und in den Worten Schützeichels extrinsische Eigenschaften darstellen. Dabei wird jedenfalls auch deutlich, dass die Differenz von intrinsisch und extrinsisch sich auflöst, da auch intrinsische Eigenschaft notwendigerweise auf extrinsische Eigenschaften aufruhen.
    Die Frage ist daher, ob wir mit einer Typisierung unterschiedlicher modaler Relationierungen weiter kommen als mit einer Typologie von Eigenschaften.

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